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Fundstücke belegen 7000 Jahre Siedlungsgeschichte

Ausstellung historischer Funde in der Stadtbibliothek / Archäologin Jessica Wiedmaier bestückte Vitrinen mit Funden von der Steinzeit bis zur Neuzeit

Dr. Jessica Wiedmaier (li.) und Bürgermeisterin Patricia Rebmann vor einem neuzeitlichen Kellerschatz, einer Kohlenwaage von Jürgen Kerber aus Eppelheim (Foto: Geschwill Presseservice)

(sg) „Es ist bei weitem nicht alles ausgestellt, was je in Eppelheimer Erde gefunden wurde, aber aufgrund von Corona waren Leihgaben aus Privatbesitz oder Museen auch nur schwer zu bekommen“, verdeutlicht Jessica Wiedmaier bei der Eröffnung der Ausstellung historischer Funde in der Stadtbibliothek. Die Eppelheimerin ist promovierte Archäologin. Dass sie im Rahmen des Jubiläums „1250 Jahre Eppelheim“ aufgrund ihres Berufes einen spannenden Beitrag über die Siedlungsgeschichte zusammenstellen konnte, freute nicht nur sie, sondern auch Bürgermeisterin Patricia Rebmann. Mit Blumen und Präsentkorb dankte das Stadtoberhaupt der Eppelheimer Archäologin für die viele Arbeit, die sie sich zur Dokumentation der Eppelheimer Siedlungsgeschichte gemacht hat und für die federführende Organisation der Ausstellung. Wiedmaier, die auch Mitglied des Jubiläumskomitees ist, hatte nicht nur die Idee zu dieser Ausstellung, sondern hat die Umsetzung auch federführend in die Hand genommen. „Es ist schön für eine Gemeinschaft, wenn Bürger sich zur Gestaltung des Jubiläums mit Ideen einbringen und zugleich noch die Stadt mit helfender Hand unterstützen.“

Die Ausstellung in der Stadtbibliothek hält viel Interessantes bereit. Auf dem Weg zur Kinderecke wurde als Blickfang in einer Vitrine ein Mammutstoßzahn eines Jungtiers platziert. Diese Tierrasse ist etwa vor 10 000 Jahren ausgestorben, informiert die Archäologin. Gefunden wurde der Zahn im Eppelheimer Süden in sechs Metern Tiefe in der Kiesgrube Zwirn. „Es ist nicht der einzige Stoßzahn, der auf Eppelheimer Gemarkung gefunden wurde“, wusste Jessica Wiedmaier. Ein zweiter Zahn, der im Museum in Ladenburg ausgestellt ist, sei in einer Sandgrube im Bereich des ehemaligen Eppelheimer Bahnhofs ausgegraben worden. Leider seien viele Fossilien, die in Eppelheimer Erde ausgegraben wurden, in Privatbesitz, bedauerte die Archäologin.

Nichtsdestotrotz ist es ihr gelungen, eine interessante Ausstellung zusammenzustellen. Steinzeitliche Funde, die bei Bauarbeiten im Konrad-Adenauer-Ring gefunden wurden, sind ebenso zu besichtigen wie Fundstücke aus der Bronze-, Eisen-, Römer- und Merowinger-Zeit. Dazu gehören Grabfunde, wie eine Doppelrandnadel aus einem Hügelgrab in Eppelheim und römerzeitliche Keramikfragmente, die einst in der Grenzhöfer Straße entdeckt wurden. Unter dem Schulhof der heutigen Theodor-Heuss-Grundschule befindet sich ein großer Merowinger-Friedhof, informierte Jessica Wiedmaier. Die Merowinger lebten etwa von 500 bis 700 nach Christus auf Eppelheimer Gebiet. Fundstücke aus dieser Zeit, wie beispielsweise ein Ober- und Unterkiefer einer jungen Frau, sowie ein Keramiktopf, Schmuck und Lanzenspitzen, können in Augenschein genommen werden. „Frauen“, so berichtete die Archäologin, „haben früher Haushaltssachen als Beigaben mit ins Grab gelegt bekommen, Männer ihre Waffen.“ Das Mittelalter, die frühere Neuzeit und das Leben in Eppelheim im vergangenen Jahrhundert sind auch mit ein paar Ausstellungsstücken dokumentiert.

„Wir können mit den Funden auf Eppelheimer Gemarkung die verschiedenen Epochen und die gesamte menschliche Geschichte nachweisen“, freut sich die Archäologin. Die Fundstücke, die auf der heutigen Eppelheimer Gemarkung gefunden wurden, sind auch Beleg für 7000 Jahre Siedlungsgeschichte.

Jessica Wiedmaier, die diese Ausstellung historischer Fundstücke federführend zusammengetragen und mit Informationen versehen hat, studierte in den USA mit Bachelor-Abschluss Anthropologie, Archäologie und „Geographische Informationssysteme“. Zurück in Deutschland machte sie ihren Master an der Uni in Heidelberg in „Klassischer Archäologie“ und promovierte dann in „Provinzialrömischer Archäologie“. Das berufliche Interesse der 33-Jährigen, die verheiratet und Mutter einer Tochter ist, gilt vornehmlich Menschen, die in dieser Zeit in den Provinzen im Bereich Südwestdeutschland gelebt haben. Jessica Wiedmaier ist auch Mitautorin des Buches zur Eppelheimer Geschichte, das im kommenden Jahr herauskommen soll.

Die Ausstellung historischer Funde, die das Alltagsleben der Menschen vor mehreren Tausend Jahren dokumentiert, kann bis Ende Dezember zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek besucht werden. Das Bibliotheksteam hat passend zur Ausstellung einen Medientisch mit Büchern zur Geschichte Eppelheims und zur Besiedlung der Region zusammengestellt.

Fotos der Ausstellungseröffnung (von Geschwill Presseservice):

  • Fibel (Schmuckspange) gefunden in Eppelheim
  • Ober- und Unterkiefer einer jungen Frau aus der Zeit der Merowinger etwa von 500 bis 700 nach Christus. Diese Leihgabe stammt aus dem Kurpfälzisches Museum Heidelberg
  • Knickwandtopf mit Rollädchenverzierung, ca. 500-751 n. Chr. Gefunden in der heutigen Schillerstraße 1926
  • Mammutstoßzahn eines Jungtiers. Gefunden wurde der Zahn im Eppelheimer Süden in sechs Metern Tiefe in der ehm. Kiesgrube Zwirn.
  • Auf Tafeln findet man auf den viele Informationen zur Geschichte und den Fundstücken.