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Hasenmuseum

Öffnungszeiten

Zur Zeit nur nach Absprache möglich: 06221 / 794-404

Der Eintritt ist frei, es werden aber gerne Spenden für das Heidelberger Tierheim oder Tierschutzprojekte entgegengenommen.

Das Museum

Das Hasenmuseum im Wasserturm

Das Museum
Am 15. November 2009 wurde in Anwesenheit des Sammlers und Stifters Prof. Josef Walch das Deutsche Hasenmuseum eröffnet. Es stellt eine wichtige Bereicherung im kulturellen Leben der Stadt
Eppelheim dar. Der Grundstock der Ausstellung besteht aus einem Teil der umfangreichen Sammlung von Prof. Walch und wird durch neue Stiftungen von Privatsammlern laufend ergänzt. Mittlerweile kann man daher von mehreren Fundus sprechen, darunter auch die Sammlung des ansässigen Josef Adam, Schenkungen aus dem Museum Schwabach sowie einem Fundus von Zusendungen aus ganz Europa.
Was im Wasserturm nicht untergebracht werden konnte, lässt sich auf den Fluren des Eppelheimer Rathauses betrachten, das zu den Öffnungszeiten als Kunstgalerie fungiert.Hier sind in einer
Vitrine auch die „Hasen des Monats“ oder speziell von neuen Stiftern zugesandte Schenkungen zu betrachten.
Die Büchersammlung, wo der Hase häufig als metaphorische Figur in Märchen, Fabeln und Sagenerscheint, befindet sich hingegen in der Eppelheimer Stadtbibliothek.

Der Stifter
Geboren in Rheinberg und aufgewachsen in Reiligen studierte Josef Walch Kunstwissenschaften an der TU Karlsruhe, sowie Grafik und Design an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste in Karlsruhe. 1994 wurde er als Professor für Didaktik an die Burg Giebichenstein berufen, eine renommierte Hochschule für Kunst und Design in Halle/Saale. In Zusammenarbeit mit dem Goethe–Institut Lille führte er kunstpädagogische Kolloquien durch und war ein Jahr lang Gastprofessor an der Ohio State University in Columbus, USA. Heute ist er in der Region bei vielen Kunstprojekten beteiligt.
 
Die Exponate
Das "Leitmotiv" in der Sammlung ist der Hase, was letztlich auch den Impuls für Josef Walch gab, seine Sammlung gerade den Eppelheimern zu stiften, die in der Region gern scherzhaft als „Stallhasen“ bezeichnet werden. Die Sammlung umfasst derzeit rund 1500 Objekte jeglicher Art:
Plastiken, Porzellanfiguren, Objekte aus dem Kunstgewerbe, Gemälde, Grafiken, Bücher, Postkarten aber auch Plüschtiere, Alltags- und
Gebrauchsgegenstände, Textilien und Kitsch. All diese Gegenstände wurden seit über zehn Jahren aus aller Welt zusammengetragen. So findet sich eine römische Bronzefibel neben einer originalen Antwerpener Kachel oder chinesischen Münzen.
Die Sammlung lässt sich auch gut in Themenbereiche untergliedern, darunter Schokoladenformen, historische Werbemittel, Kinderspiele, Hasenküchen, Trophäen, Krügen oder sonstigen Kuriosa.
In der Galerie im Rathaus kann man vor allem den grafisch- malerischen Teil der Sammlung bewundern. Zahlreiche der ausgestellten Gemälde entstanden eigens als Auftragsarbeiten für das Hasenmuseum. Regelmäßig werden Wechselausstellungen zu speziellen Themen innerhalb des Hasen-Sujets angeboten


Der Hase in der Kunstgeschichte
Der Hase ist in der Kunst- und Kulturgeschichte durchaus kein ungewöhnliches Sujet.
Als Sternzeichen in der asiatischen Kultur, Verkörperung von Geburt und Wiedergeburt in Zusammenhang mit Mondgottheiten ist er auf allen Kontinenten und Zeitaltern vertreten.
Bereits in der Antike taucht er auf vielen Darstellungen auf und erhielt schon damals seine Bedeutung als Fruchtbarkeitssymbol, das als gejagte Kreatur nur dann überleben konnte, wenn es sich zahlreich vermehrte. Aus diesem Grunde findet er sich auch oft als Attribut der Liebesgöttin Aphrodite oder römisch Venus wieder.
Hierzulande tritt er unter anderem in mittelalterlichen Monatsbildern für den Monat März auf. In der christlichen Kunst, die für das Mittelalter bestimmend war, kann der Hase auf die Heilsbringung deuten, wenn er nach dem Physiologus interpretiert wird oder aber auch negativ konnotiert sein, wenn man ihn nach dem Buch des Moses als unreines und wolllüstiges Tier liest. Fensterdarstellungen in Kirchen wie jene des Paderborner Domes hingegen, deuten auf die Heilige Dreifaltigkeit hin: Drei Hasen haben zwar jeweils zwei, aber zusammen nur drei Ohren, die ein Dreieck bilden. Diese antike und frühchristliche Ikonographie des Hasen war für die Figur des „Osterhasen“ mitbestimmend.
In christlichen Darstellungen der Renaissance erscheint er zunehmend als Allegorie, die, ähnlich dem Stieglitz, als akademische Beigabe auf den Opfertod Jesu hindeuten soll. Doch auch die profane Malerei der Renaissance nimmt sich den Hasen zum Sujet; das bekannteste Beispiel hierunter ist sicherlich das Aquarell eines Hasen von Albrecht Dürer. Angeregt durch die Beobachtung und Erforschung der Natur, welche für das Zeitalter der Renaissance charakteristisch war, nahm Dürer den Hasen aus der szenischen Darstellung heraus und stellte ihn isoliert in Dreiviertelansicht als naturalistische Studie dar. Durch die farbige Grundierung, eine Methode, die Dürer in Venedig kennenlernte, gelang es dem Künstler, das Fell des Hasen sowohl in die Höhe als auch in die Tiefe zu modellieren und dieses dadurch auch in seiner Haptik äußerst naturgetreu wiederzugeben. Der Hase fand schon bei den Zeitgenossen Dürers viele Nachahmer. Das berühmteste Zitat ist aber jenes des Gegenwartskünstlers Otmar Hörl, der 2003 anlässlich des 500. Jubiläums des Aquarells „das große Rasenstück“ 7000 aus grünem Plastik gegossene Dürer-Hasen auf dem Nürnberger Marktplatz aufstellte.
Im Barock findet sich das Tier meist im Stillleben in der beliebten Untergattung des Jagdstilllebens wieder, in welcher der erlegte Hase auf die feudalen Rechte des Herrschers verweist, jedoch auch ganz eindeutig als Vanitas Motiv fungiert.  
Obwohl bei den Stilepochen der -ismen (Klassizismus, Impressionismus, Expressionismus) das Hauptaugenmerk der Künstler auf jeweils anderen Thematiken liegt, ist das Tier auch hier vereinzelt als Sujet zu finden. Vincent Van Gogh fügt es beispielsweise in seinem Gemälde „Feld mit zwei Hasen“ mit bewegtem Pinselduktus gekonnt in die Umgebung des Feldes ein und passt diese auch farblich ihrem Umfeld an. Dass sich der expressionistische  Maler Franz Marc ebenfalls mit Hasen auseinandersetzt, beweist eine Studie aus dem Jahre 1909, die für sein späteres Werk „Zwei Hasen“ aus dem Jahre 1913 fungiert haben könnte. Doch auch Modersohn-Becker stellt in dem Portrait „Mädchen mit Kaninchen“ das Langohr in den Fokus.
Im späteren 20. Jahrhundert erlangt der Hase bei Joseph Beuys wieder eine zentrale Rolle, oft verglich sich der Künstler selbst mit dem Hasen, proklamierte „der Hase bin ich“. Schnell, friedlich und frei, jedoch seit jeher gejagtes Wesen stellt der Hase für Beuys eine Metapher für Leben und Tod dar, der ebenso wie Fett und Filz durch seine Lebensgeschichte als abgestürzter Luftwaffen Flieger zu erklären ist, der von Krimtartaren aus dem Wrack gerettet und gepflegt wurde. Neben seinem Krankenbett stellten sie Hasenkerzen auf, die im Siedlungsgebiet an der Krim weit verbreitet sind- seitdem gilt der Hase nicht nur bei den Tartaren als Lichtbringer sondern wurde auch bei Beuys zentrale Figur.
Prof. Walch selbst verwies auf die berühmte Performance von Joseph Beuys „wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ indem er mit einem Plüschhasen durch die d14 lief und diesem die unterschiedlichen Pavillons zeigte. Dadurch, dass dies ausgerechnet auf der Documenta stattfand, nahm Walch auf eine weitere Aktion von Beuys Bezug, nämlich als Letzterer auf der Documenta7 1982 die Nachbildung der Zarenkrone Iwan des Schrecklichen einschmolz und daraus einen Friedenshasen goß, der sich heute in der Staatsgalerie Stuttgart befindet.
Neben den bereits benannten Künstlern Otmar Hörl und Josef Walch befassen sich auch weitere Gegenwartskünstler mit dem Hasen. Die Hamburger Malerin Tina Ölker hat sich 2007 das Ziel gesetzt 1000 Hasen zu malen, jedes für sich ein Unikat. Claudia Angelmaier hingegen verwendet das Medium Fotografie, um beispielsweise Dürers Feldhasen vielfach zu reproduzieren und gekonnt in Szene zu setzen.
Natürlich beeinflusste auch Josef Walch seine Schüler, aus welchen ebenfalls große Hasenkünstler entstanden.
Auch in Eppelheim setzten sich Künstler mit dem Hasen auseinander: Der so genannte „Braun-Hase“ wurde von dem ortsansässigen Bildhauer Günter Braun als Auftragsarbeit entworfen. Streng auf 20 Stück limitiert, erhielten diesen besonders verdiente Bürger als Zeichen der Anerkennung vom Bürgermeister.

Werden Sie Kunststifter

Sie haben ein ganz besonderes „Hasenobjekt“ und möchten es der Öffentlichkeit widmen? Schicken Sie es uns zusammen mit Ihrem Namen und der Begründung oder einer Geschichte, was diesen Hasen zu einem ganz besonderen macht. Natürlich werden Sie, sofern Sie dem zustimmen, im Hasenmuseum gerne namentlich als Stifter benannt.

Oder sind Sie selbst Künstler und befassen sich mit dem Sujet des Hasen?  
Würden Sie gerne bei uns ausstellen? Dann bewerben Sie sich mit Ihrer künstlerischen Vita und Fotografien einiger Ihrer Werke bei:

Stadtverwaltung Eppelheim
Frau Verena Fabrizi
Schulstraße 2
69214 Eppelheim
v.fabrizi@eppelheim.de

Ansprechpartner:
Verena Fabrizi