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Eppelheims Ehrenbürgerin Inge A. Burck ist im Alter von 96 Jahren verstorben

Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes schloss in der Nacht zu Heiligabend für immer ihre Augen

Ehrenbürgerin Inge A. Burck (Foto: Stadt Eppelheim)

„Wahrhaft glücklich werden die sein, die den Weg zum Dienst am anderen gesucht und gefunden haben.“ Mit diesem Zitat von Albert Schweitzer begründete Inge A. Burck bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft im Jahr 2000 ihr vielfältiges Engagement für die Gesellschaft.

In der Nacht zu Heiligabend verstarb die allseits geschätzte Eppelheimerin im Alter von 96 Jahren im Caritas-Altenzentrum St. Maria in Plankstadt nach einem erfüllten Leben, das sich in der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes sowie in den zahlreichen weiteren Ehrungen widerspiegelt – vor allem aber in den wertschätzenden Worten ihrer Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter anlässlich dieser Feierlichkeiten. Ihre Energie schien lange Zeit nahezu unerschöpflich zu sein. Doch in den vergangenen Jahren ließen ihre Kräfte immer mehr nach.

Sie wurde am 18. Juni 1925 als Ingeborg Annemarie Gall in München geboren. Nach dem Krieg arbeitete sie im bayerischen Wolferstadt als Lehrerin. 1947 kam die junge Frau nach Heidelberg zum Fremdsprachenstudium. Sie unterrichtete von 1962 bis 1969 an der US-amerikanischen High School in Heidelberg. Daran schloss sich die Tätigkeit als Referentin und Koordinatorin bei der amerikanischen Oberschulamtsdirektion Europa mit den Zuständigkeitsbereichen Fremdsprachen und interkulturelles Lernen an. In dieser Funktion arbeitete die Pädagogin Lehrpläne aus, die an allen Schulen der US-amerikanischen Streitkräfte in Europa gelesen wurden.

Auch im Ruhestand, nach 1990, war sie noch lange als Bildungsexpertin und Referentin bei Seminaren gefragt. Zahlreiche deutsch-amerikanische Freundschaften zwischen Jugendlichen haben ihren Ursprung in der Initiative von Inge A. Burck. Sie vermittelte den jungen Menschen die Landeskunde der jeweils anderen Nation und kulturelle Besonderheiten. Für ihre außergewöhnlichen Verdienste um die Zusammenführung und Verständigung deutscher und amerikanischer Jugendlicher bekam sie 1969 als erste Europäerin die Outstanding Civil Service Medal.

Nach Eppelheim zog sie im Jahr 1950. Ihren ersten Eindruck soll Inge A. Burck mit folgenden Worten formuliert haben: „In diesem Kuhdorf bleibe ich drei Monate und keinen Tag länger.“ Bis zu ihrem Umzug ins Caritas-Altenzentrum Plankstadt sind es dann über 50 Jahre geworden. Maßgeblich dazu beigetragen hat nach ihrer Aussage „Ludwig, der beste Mann der Welt“, der ihr die Geborgenheit einer Familie schenkte – mit Sohn Hans, Enkel Christopher und den Urenkeln Leon, Raphael und Jakob.

Die Verstorbene prägte die Gesellschaft „ihrer“ Gemeinde positiv und nachhaltig mit. Hartnäckig, aber immer sachlich und liebenswürdig verfolgte sie ihre Ziele. Kommunalpolitisch fand sie ihre Heimat in der CDU. Für die Christdemokraten saß sie von 1969 bis 1980, wieder einmal in der Vorreiterrolle, im Eppelheimer Gemeinderat – als erste Frau in der damaligen Männerdomäne.

Auf Vereins- und Funktionärsebene bei der DJK Eppelheim initiierte Inge A. Burck zunächst maßgeblich die Gründung einer Gymnastikabteilung für Frauen und Mädchen, später war sie eines der Mitglieder in einem vierköpfigen Team von gleichberechtigten Vorsitzenden sowie fast 40 Jahre Vizepräsidentin des DJK-Bundesverbands.

Die Katholikin sah sich tief im christlichen Glauben verwurzelt. Daraus resultierte ihr Einsatz für kirchliche und kirchennahe Einrichtungen. Sie gründete im Jahr 1966 den St.-Georgs-Pfadfinderstamm „St. Joseph“.
Gesellschaftlich engagierte sich Inge A. Burck bis ins hohe Alter getreu dem Motto: „Arbeit hält jung“ als langjährige Vorsitzende beim Bürgerkontaktbüro, einem Treffpunkt für Eppelheimer Seniorinnen und Senioren. Sie setzte sich mit Nachdruck für eine generationengerechte Gesellschaft ein. In diesem Zusammenhang ist sie vielen Kindern auch als „Nikolaus“ beim Eppelheimer Weihnachtsdorf in bester Erinnerung. Ihr lagen Inklusion, Integration und Demografie sehr am Herzen – lange, bevor diese Themen die Schlagzeilen in den Medien beherrschten.

Die Eppelheimerin war Mitglied in zahlreichen Ortsverbänden und Vereinen. Sie hat sich „in vielfältiger Weise für die Mitbürgerinnen und Mitbürger eingesetzt und sich um das Gemeinwohl verdient gemacht“, heißt es in der Begründung für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Inge A. Burck hat es in Anerkennung ihres vielfältigen Engagements im Jahr 2016 bekommen.

In ihrer Laudatio führte Theresia Bauer, baden-württembergische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, aus: „Sie leben mehrere Leben gleichzeitig: das Leben einer Schulpädagogin, einer Kommunalpolitikerin, einer Sportfunktionärin und einer Aktivistin für die verschiedensten Formen des sozialen Miteinanders.“

Inge A. Burcks Rede an ihrem 90. Geburtstag beinhaltete „eine farbenreiche Blumenwiese des Dankes“, wie sie sagte, an Familie, Freunde und Mitstreiter.

Heute dankt die Stadt Eppelheim ihrer Ehrenbürgerin, die es auf Bayerisch sagen würde: „Vergelt’s Gott!“