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Der ECC hat jetzt die Macht im Rathaus

Ein dreifach kräftiges „Eppele helau“Mit dem Rathaussturm hat der ECC den Startschuss für die Fasnachtskampagne gegeben

Foto: Stadt Eppelheim

Die Spannung war am Freitagabend gegen 17.33 Uhr in Eppelheim ungefähr so groß wie am Bahnhof von Hadleyville im Western-Klassiker „High Noon“ („12 Uhr mittags“), als alle gebannt auf die Ankunft des Revolverhelden Frank Miller warteten. Die Atmosphäre einer Haltestation wurde noch verstärkt, als Bürgermeisterin Patricia Rebmann in bester DB-Manier die Ansage tätigte: „Der ECC hat circa neun Minuten Verspätung. Wir bitten um Ihr Verständnis.“ Doch anders als im Film mit Gary Cooper gab es ein friedliches Happy End.
Bald war von Weitem der Schlager „Dschingis Khan“ zu hören, der die Ankunft des ECC-Fasnachtswagens mit den Elferräten, gefolgt von den Gardemädchen, ankündigte. Der Rathaussturm, traditioneller Auftakt für die fünfte Jahreszeit, konnte beginnen. Er fand dieses Jahr im Theodor-Heuss-Schulhof statt.
Dass das närrische Volk in Eppelheim auch unter Corona-Bedingungen fröhlich feiern kann, stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der nächsten Stunde eindrucksvoll unter Beweis. „Wir machen es dem ECC nicht leicht“, drohte die Bürgermeisterin von ihrer „Rathaus-Festung“, die sie provisorisch auf dem Turm des Spielplatzes eingerichtet hatte. „Schließlich müssen die Inhaber der Macht ja bestens vorbereitet sein für eine Regentschaft in diesen Krisenzeiten!“ Zuvor hatte sie sich im Stile von James Bond vorgestellt: „Mein Name ist Rebmann. Patricia Rebmann.“

Vor die Macht, die der Besitz des Rathaus-Schlüssels symbolisiert, hatte die Bürgermeisterin mit ihren Getreuen einige Herausforderungen gesetzt. Der Kampf um das begehrte Stück war für die ECCler mit drei Aufgaben verbunden – sehr zum Spaß der Beobachterinnen und Beobachter. Die gesamte Veranstaltung stand ganz im Zeichen von erfolgreichen Kinostreifen. Selbstverständlich galt auch die 3G-Regel. Dabei sollte es für die Ungeimpften aber nicht am fehlenden Test scheitern – der DRK-Ortsverein hat kostenlose Tests vor Ort angeboten.
Zunächst musste Nadine Rühle ihre Gardeuniform gegen einen futuristischen Anzug mit Helm in Manier von „Zurück in die Zukunft“ tauschen. Der Clou dabei: Sie konnte nichts mehr sehen. Nun hatte sie auf einem Rollbrett sitzend den Anweisungen von Elferrat Thorsten Speil folgen und einen Slalom bewältigen. Mit Bravour meisterte sie diese erste Prüfung. Patricia Rebmanns lapidarer Kommentar:
„Das ist eine gute Übung für die Schnelligkeit, mit der die Corona-Verordnungen des Landes auf kommunaler Ebene umgesetzt werden müssen.“
Weiter ging es zum ECC-Laster. Sitzungspräsident Jens Schneider meldete sich freiwillig und versuchte es als Sänger. Seine Aufgabe: Er musste bekannte Lieder, die mit Kinofilmen in Verbindung stehen, interpretieren. Die Bürgermeisterin hatte trotz des drohenden Machtverlusts Einsehen und entschied – nicht zuletzt, um die Ohren der Anwesenden zu schonen – einen Haken hinter die Aufgabe zu setzen.
Aber da wartete in der Mitte des Schulhofs rund um den Baum noch eine Umzäunung, die sich bei näherem Hinsehen als Boxring entpuppte. „Jetzt steht zum Abschluss noch ein Zirkeltraining auf dem Programm. Schließlich müsst ihr ja auch Gemeinderatssitzungen übernehmen. Und dafür braucht es eine gute Verfassung, “, kündigte Patricia Rebmann von ihrer „Festung“ mit einem diabolischen Lachen an.

Noch einmal war Jens Schneider gefragt. Er stellte unter Beweis, dass seine Talente eindeutig mehr sportlicher als gesanglicher Natur sind. Unter den Anfeuerungsrufen des närrischen Volkes absolvierte er tadellos Hanteltraining und Seilspringen, ehe er – Rocky Balboa gleich – einen quietschpinkfarbenen Punching-Ball am Baum tanzen ließ.
Mittlerweile hatte die Rathaus-Chefin ihren Schlüssel noch fester im Griff und eine „Gollum“-Maske aufgesetzt, die an den Film „Herr der Ringe“ erinnerte. Schneider hatte dann eine zündende Idee, wie er doch noch an den Schatz in luftiger Höhe kommen könnte: Patricia Rebmann möge doch ihr langes, blondes Haar herunterlassen. Die hatte ein Einsehen und warf ihm als Ersatz eine blonde Perücke zu.
Mit einem dreifach kräftigen „Eppele helau!“, begleitet vom Faschingshit „Ritzambo, Ritzambo“ sowie vielen bunten Luftschlangen bejubelten die ECCler den traditionellen Kampagne-Auftakt. Als deutliches Zeichen wurde sogleich die Rathaus-Fahne auf der „Festung“ von der ECC-Fahne ersetzt.
Der Sitzungspräsident trug noch seine gereimte Antrittsrede vor, in der er betonte, dass sich die Fasnachter gerade in der aktuellen Zeit zweier Verantwortungen sehr bewusst seien: Freude zu Menschen zu bringen, die sie gut gebrauchen können und gleichzeitig deren Gesundheit nicht zu gefährden.

  • Der ECC hat jetzt die Macht im Rathaus. Sitzungspräsident Jens Schneider hielt eine Ansprache, Bürgermeisterin Patricia Rebmann schaute zu. Foto: Stadt Eppelheim
  • Bilder: Stadt Eppelheim