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Volkstrauertag stand ganz im Zeichen des Ukraine-Kriegs

Bürgermeisterin Patricia Rebmann und Pastoralreferentin Judith Schmitt-Helfferich gedachten am Volkstrauertag der Opfer von Gewalt und Krieg. Foto: Stadt Eppelheim

Der Volkstrauertag stand in diesem Jahr – in dem die bundesweiten Gedenkfeiern zwei Wochen vor dem ersten Advent zum 70. Mal begangen werden – ganz unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs. „Die Gedenkstunde ist eine Veranstaltung, mit der die
Menschen meiner Generation und Jüngere oft gar nichts mehr anzufangen wissen, weil sie aus einer längst vergangenen Zeit stammt“, begann Bürgermeisterin Patricia Rebmann am vergangenen Sonntag ihre Rede auf dem Friedhof in Eppelheim. Doch
der Krieg sei „nahe zu uns nach Europa, in die westliche Welt gerückt“.

„Die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine erschüttern die ganze Welt. Tote, Verletzte, Vertreibungen, Kriegsverbrechen, Zerstörung – wir sehen es allabendlich in den Nachrichten. Wir sehen Bilder aus der Ukraine, von denen wir ge-
hofft hatten, dass es solche Bilder gerade auf unserem Kontinent niemals wieder gibt. Von Berlin bis zur ukrainischen Grenze ist es genauso weit wie von Berlin nach Brüssel. Deshalb denken wir in diesem Jahr im Besonderen an die Kriegstoten und ihre Angehörigen in der Ukraine: Der vielen in den vergangenen Monaten gefallenen Soldaten und getöteten Zivilisten“, fuhr sie fort.

Die Mahnung zum Frieden, die mit dem Volkstrauertag ausgesprochen werde, sei daher nach wie vor aktuell. Der Gedenktag sei notwendig, gebe er doch den Menschen die Möglichkeit innezuhalten, sich wieder einmal die Folgen von Krieg und Gewalt zu
vergegenwärtigen, die eigene Haltung zu überdenken und an die Verantwortlichen, die Politiker und jeden Einzelnen zu appellieren, andere Wege einer Konfliktlösung zu finden. Leider scheine dies im aktuellen Konflikt noch nicht möglich zu sein. „Zum Re-
den gehören eben immer zwei“, mahnte sie. Der Volkstrauertag gebe allen die Gelegenheit, über Vergangenes nachzudenken und öffne gleichzeitig den Blick für die Gegenwart und Zukunft. „Vergessen wir auch nie, dass wir bereits im kleinen in unserer Gemeinde einen guten Umgang miteinander pflegen sollten. Mehr miteinander und weniger Aufrechnung. Denn wie kann man sich wünschen, dass mächtige Personen unserer Zeit einander die Hände reichen und Lösungen finden, wenn wir selbst im Kleinen
nicht dazu bereit sind. Hier bei uns gilt also ganz besonders: Lasst uns selbst die Lösung sein, die wir uns zumeist von anderen erhoffen“, beendete die Bürgermeisterin ihre Ansprache.

Auch Pastoralreferentin Judith Schmitt-Helfferich erinnerte daran, dass der Krieg seit Februar dieses Jahres näher als je gedacht sei. Doch nicht nur in der Ukraine, sondern auch in den über 20 Kriegen, die es derzeit auf unserer Welt gibt, sterben jeden Tag
Menschen. Es bleibe unsere Aufgabe, uns für den Frieden einzusetzen. Ein Beitrag dazu sei auch das Gebet wie das regelmäßige ökumenische Friedensgebet in der Christkönigkirche. Von einem kleinen Beginn des Friedens erzählt auch eine Geschichte, die Judith Schmitt-Helfferich vortrug. Sie handelt davon, dass ein König alle Künstler in seinem Land einlud, den Frieden zu malen. Seine Wahl fiel nicht auf das perfekte Abbild des Friedens, sondern auf ein wütendes Naturschauspiel mit einem tosenden Wasserfall. Dahinter war ein winziger Busch, der auf der zerklüfteten Felswand wuchs. In diesem kleinen Busch hatte ein Vogel sein Nest gebaut. An diesem unwirtlichen Ort saß der Muttervogel auf seinem Nest.

Die Begründung des Königs für seine Entscheidung lautete: „Lasst euch nicht von schönen Bildern in die Irre führen: Frieden braucht es nicht dort, wo es keine Probleme und keine Kämpfe gibt. Wirklicher Frieden bringt Hoffnung und heißt vor allem, auch unter schwierigsten Umständen und größten Herausforderungen, ruhig und friedlich im eigenen Herzen zu bleiben.“ Mit dieser nachdenklichen Geschichte entließ Judith Schmitt-Helfferich die rund 50 Besucherinnen und Besucher der Feierstunde auf dem Friedhof, die Johannes Häfner musikalisch-gefühlvoll auf seiner Trompete mit dem Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“ begleitete, in den Sonntagnachmittag.