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Gedenken zum Volkstrauertag in Eppelheim

In stillem Gedenken: Bürgermeisterin Patricia Rebmann (r.) und Pfarrerin Cristina Blázquez. Foto: Stadt Eppelheim

Es war in diesem Jahr eine kleine Veranstaltung zum Volkstrauertag am Ehrenmal auf dem Friedhof. Corona-Vorsichtsmaßnahmen ließen nur ein kurzes, dafür aber sehr würdiges Gedenken zu. Angesichts der zehn Verstorbenen in Eppelheim im Zusammenhang mit Corona seit Beginn der Pandemie bat Bürgermeisterin Rebmann die Anwesenden, Abstand zu halten und auf Gespräche im Anschluss der Feier zu verzichten.
Seit 1952 wird zwei Sonntage vor dem ersten Advent an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen erinnert – neben den gefallenen Soldaten auch an Frauen, Kinder und Männer, die in den besetzten Ländern und in Deutschland zu Opfern von Krieg, Gewalt sowie NS-Verfolgung wurden sowie an Menschen, die aus politischen, religiösen oder sogenannten rassischen Gründen verfolgt worden waren.
Gleichzeitig wird zu Versöhnung, Verständigung und Frieden gemahnt. „Das Gedenken an die beiden großen Kriege des 20. Jahrhunderts und ihre Opfer ist in Europa zur Tradition und zu einer humanitären Verpflichtung geworden“, sagte Bürgermeisterin Patricia Rebmann in ihrer Ansprache.

  • Bürgermeisterin Patricia Rebmann (r.) hielt eine Ansprache.
  • Barbara Mußler spielte das Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“ auf ihrer Trompete. Fotos: Stadt Eppelheim

Im Mittelpunkt des bundesweiten Gedenkens stehe in diesem Jahr der deutsche Überfall auf die Sowjetunion im Jahr 1941, führte sie aus. Der Vernichtungskrieg habe dort besonders tiefe Wunden hinterlassen. „Vor 80 Jahren wurde der 1939 von Deutschland begonnene Krieg zum Weltkrieg. Noch vor dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 erfolgte im Mai die Besetzung Griechenlands und Jugoslawiens und im Dezember desselben Jahres erklärte das Deutsche Reich den USA den Krieg.“
Anders als andere europäische Kriege, so Rebmann weiter, habe der Zweite Weltkrieg von deutscher Seite nicht nur den Sieg über das gegnerische Militär, sondern die Vernichtung ganzer Völker angestrebt. 60 bis 70 Millionen Menschen seien zu Tode gekommen. Viele weitere Millionen Menschen hätten ihre Gesundheit, ihre Angehörigen, ihre Heimat verloren oder sie mussten bis zu zehn Jahre in Kriegsgefangenschaft aushalten.
Auch heute noch, mahnte die Bürgermeisterin, seien die Wurzeln von Katastrophen und Krisen oft in der Vergangenheit zu suchen. „Das bedeutet, dass wir uns immer aufs Neue mit der Geschichte und ihren düstersten Kapiteln beschäftigen und das Gespräch mit unseren Nachbarn suchen müssen.“
Die Sprache der Verachtung und des Hasses, der Abgrenzung gegenüber dem Anderen würden trotz aller schlimmer Erfahrungen mit dem Krieg und seinen Folgen zunehmend an Überzeugungskraft gewinnen, wie ein Blick auf die politische Landkarte Europas zeige. „Wir erleben europaweit ein Erstarken jener Ideologien und Propagandamuster, die vor 80 Jahren den Kontinent beinahe in den Abgrund gerissen haben“, sagte Patricia Rebmann. „Neue radikale Nationalismen, gepaart mit Fremden- und Demokratiefeindlichkeit, weiten sich aus. Dazu gehören Rückgriffe auf faschistische und neonazistische Gruppierungen, die alles bekämpfen, was nicht in ihr Weltbild passt: Zum Beispiel Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe oder sexueller Orientierung.“

Gedenken an den Krieg und seine Opfer sei stets verbunden mit dem Kampf um die Demokratie, für die Sophie Scholl, die in diesem Jahr 100. Geburtstag gefeiert hätte, gestorben ist. Sie fiel mit 21 Jahren der nationalsozialistischen Terrorjustiz zum Opfer.
„Die Vergangenheit hat uns gelehrt, wie schnell es geht, die Demokratie abzuschaffen. Dagegen müssen wir uns wehren, wenn wir uns die Freiheit bewahren wollen. Gedenken spielt dabei eine wichtige Rolle, denn es schärft unseren Blick und unsere Sinne, es ist ein Warnruf, ein immer neuer Anstoß, uns der Vergangenheit zu stellen und sie lebendig zu halten“, appellierte sie an die Bürgerinnen und Bürger.
Im Anschluss sprach auch die evangelische Pfarrerin Cristina Blázquez ihre Gedanken zum „Garten der Namen“ nach einem Text von Thomas Kärst. Er handelt davon, wie der Autor an einem Novembertag durch die Reihen der Gräber schlendert. Obwohl er eigentlich sonst kein regelmäßiger Friedhofsgänger ist, zieht es ihn im November immer wieder an diesen Ort. Er liest die Namen und Daten auf den Grabsteinen und reimt sich die Schicksale, die dahinterstehen könnten, zusammen.
Aber schließlich, so sagt er, sei ein Friedhof auch ein stiller Garten, der an Werden und Vergehen, an Blühen und Verwelken erinnere. So schließe sich der Kreis: „Ein Garten stand am Anfang der Menschheit – der Garten Eden, das Paradies. In diesem Paradies, so die Botschaft unserer Friedhöfe, werden wir am Ende wieder hineingehen.“

Nach diesem Vortrag vereinte die Pfarrerin alle Anwesenden im Gebet. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Patricia Rebmann gedachte sie am Ende der Feier vor dem Kranz am Ehrenmal einige Minuten der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Das Erinnern begleitete Trompeterin Barbara Mußler von der Musikschule Schwetzingen musikalisch mit den getragenen Klängen des Lieds „Ich hatt‘ einen Kameraden“.