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30 Jahre Städtepartnerschaft mit Wilthen

Grußwort von Bürgermeisterin Patricia Rebmann

Liebe Eppelheimerinnen und Eppelheimer,

30 bewegte Jahre sind vergangen, seit der damalige Bürgermeister Hugo Giese für Eppelheim und der stellvertretende Bürgermeister Manfred Melior für Wilthen am 16. Juli 1991 die Städtepartnerschaft mit ihrer Unterschrift im Ratssaal des Wilthener Rathauses besiegelten.
Die ersten Kontakte wurden schon im Jahr 1989 geknüpft, als der Mauerfall die deutsch-deutschen Beziehungen glücklicherweise wieder erleichterte. Bei den gegenseitigen Treffen in der Kurpfalz und der Oberlausitz stellten die Delegationen auf beiden Seiten schnell fest, dass die Kommunen und die Menschen auf der gleichen Wellenlänge funken. Der offiziellen Unterzeichnung der Urkunde stand also nichts mehr im Weg.
Zu Beginn der Partnerschaft lag der Schwerpunkt noch auf der Zusammenarbeit und der Unterstützung beim Verwaltungsaufbau in der sächsischen Stadt. Doch schnell füllten die ersten Freundschaften die Beziehung mit Leben – zwischen den Vereinen, den Feuerwehren und nicht zuletzt auf privater Ebene.

Das Heuwagenrennen in Eppelheim und das Bettenrennen in Wilthen sind unvergessliche Erlebnisse für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Und sogar eine Ehe stifteten die badisch-sächsischen Bande. Kurzum: Die Summe der herzlichen Begegnungen über all die Jahre machen diese Städtepartnerschaft so wertvoll.
Doch es ist wie bei jeder zwischenmenschlichen Beziehung: Es gibt immer wieder Zeiten, in denen die Kontakte etwas loser werden. Aber gerade im Überwinden solcher Krisen zeigt sich auch, wie tragfähig eine Freundschaft ist.
Bürgermeister Michael Herfort und ich haben in den vergangenen drei Jahren die Partnerschaft zwischen Eppelheim und Wilthen neu belebt. Darauf sind wir beide stolz, denn das beweist: Die Chemie stimmt einfach immer noch zwischen den Kommunen und den Menschen. Das einst so zarte Pflänzchen Partnerschaft ist in 30 Jahren stetig gewachsen und hat mittlerweile robuste Wurzeln entwickelt. Das hat nicht zuletzt die Bürgerreise unserer Delegation in die Oberlausitz vor zwei Jahren auf erfreuliche Art bestätigt. Sie wurde für beide Seiten ein riesiger Erfolg.

Der Gegenbesuch anlässlich der 1250-Jahr-Feier von Eppelheim, der 2020 geplant war, musste Corona-bedingt leider verlegt werden. Ebenso wie die Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen unserer Partnerschaft am kommenden Wochenende. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Sobald es die Pandemie-Lage zulässt, soll das Treffen schnellstmöglich nachgeholt werden.
Doch daran sieht man die Qualität, die unsere Freundschaft ausmacht: Ein geselliges Beisammensein ist nicht mit einem bestimmten Datum oder Jubiläum verknüpft. Wir feiern gerne auch im Kleinen miteinander. Einfach weil und wann es uns Spaß macht. Dennoch hoffen wir natürlich, dass wir die 800-Jahr-Feier von Wilthen im kommenden Jahr gemeinsam begehen können.
Bis dahin gilt für unsere Partnerschaft dasselbe wie für den Weinbrand, für den Wilthen bundesweit bekannt ist: Je älter desto besser. Gutes muss eben manchmal im Stillen reifen. Deshalb freue ich mich auf die Zukunft und auf viele bereichernde Begegnungen.

Ihre
Patricia Rebmann

Grußwort von Michael Herfort, Bürgermeister Stadt Wilthen

Liebe Eppelheimerinnen und Eppelheimer,

am 16. Juli 1991, vor 30 Jahren, wurde der Partnerschaftsvertrag zwischen Wilthen und Eppelheim im Ratssaal des Wilthener Rathauses durch den damals amtierenden Wilthener Bürgermeister Manfred Melior und den Eppelheimer Bürgermeister Hugo Giese unterzeichnet. Vorangegangen war ein einjähriger Annäherungsprozess, welcher am 30. Juni 1990 durch den Erstbesuch aus Eppelheim in Wilthen begann.
Am Wochenende der Währungsunion kamen Bürgermeister Giese und die Gemeinderäte Weber, Pitronik und Rühle erstmals zu uns. Es herrschte große Neugier und eine herzliche Atmosphäre.

Am 30. August 1990 erfolgte der erste Gegenbesuch aus Wilthen in Eppelheim. Am Mittwoch, dem 3. Oktober 1990, dem Tag der offiziellen Wiedervereinigung Deutschlands, kam in denkwürdiger Weise in einem Bus der gesamte Eppelheimer Gemeinderat nach Wilthen. Am Nachmittag dieses geschichtsträchtigen Tages fand eine Feierstunde im Ratssaal des Wilthener Rathauses statt. Der Gedanke einer Partnerschaft zwischen beiden Kommunen reifte weiter. Ende Oktober 1990 erfolgte der Besuch der Wilthener CDU in Eppelheim, vertreten durch Manfred Melior, Hans Weber, Markus Protze und Achim Lehmann.
Der Reisebericht dieser abenteuerlichen Reise in den „tiefen Westen“ amüsiert bis heute nicht nur die damaligen Teilnehmer. Fazit: Die Chemie zwischen Wilthen und Eppelheim stimmt. Herr Adolf Kolb aus Eppelheim, welcher als Hauptamtsleiter im Eppelheimer Rathaus wirkte und bereits im Ruhestand war, wurde im Rahmen des sog. Expertenservice nach Wilthen geschickt, um beim Aufbau einer neuen Kommunal-Verwaltung nach bundesdeutschem Vorbild zu helfen. Er fungierte ab Oktober 1990 bis 1993 als Berater für unsere Stadtverwaltung.
Im Frühjahr 1991 stimmten der Gemeinderat Eppelheim und die Stadtverordnetenversammlung Wilthen für eine Partnerschaft. Die feierliche Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde erfolgte an jenem 16. Juli 1990 in Wilthen. Das ist nun 30 Jahre her. Seitdem ist viel passiert und sprichwörtlich viel Wasser die Spree und den Neckar heruntergeflossen. Die Verwaltungen, die Räte, die Feuerwehren, die Vereine, die Schulen und viele Bürgerinnen und Bürger haben in den drei zurückliegenden Jahrzehnten Kontakte geknüpft und gefestigt.
Nach den langen Amtszeiten der Bürgermeister Vetter (1991-2008) und Mörlein (1994-2016) liegt die Partnerschaft nun in den Händen von Patricia Rebmann und mir. Nach langer Pause besuchten wir 2018 erstmals wieder die Kerwe und 2019 kam endlich wieder ein Reisebus aus Eppelheim nach Wilthen für ein ereignisreiches Wochenende.

Dann kam Corona und fügte den Bemühungen zur Wiederbelebung der Partnerschaft in den letzten eineinhalb Jahren einen großen Dämpfer zu. So musste die 1250 Jahrfeier Eppelheims 2020 verschoben werden und auch jetzt kann man Feierlichkeiten nicht wirklich planen. Wir hoffen, dass wir bald an die enge Partnerschaft anknüpfen können und freuen uns auf das würdige Begehen von 1250 Jahre Eppelheim, 800 Jahre Wilthen (2022) und 30 Jahren Partnerschaft.

Herzliche Grüße aus der Partnerstadt Wilthen
Bürgermeister Michael Herfort

Eppelheim und Wilthen haben seit 30 Jahren eine Städtepartnerschaft

Die Städte Eppelheim und Wilthen dürfen dieser Tage auf eine 30 Jahre währende Städtepartnerschaft zurückblicken. Am 16. Juli 1991 unterschrieben Bürgermeister Hugo Giese und Manfred Melior, der damals kommissarisch die Amtsgeschäfte in der sächsischen Kommune leitete, die Partnerschaftsurkunde im Wilthener Rathaus.
Und so fing alles an: Am 30. Juni 1990 kam erstmals eine Eppelheimer Delegation mit Bürgermeister Hugo Giese sowie den Gemeinderäten Martha Weber, Franz Pitronik und Günther Rühle in die Stadt am Rand der Oberlausitz.
Der baden-württembergische Städte- und Gemeindetag hatte nach dem Mauerfall ein Austauschprogramm in die Wege geleitet. Ziel war es, den zukünftigen Freistaat Sachsen beim Aufbau der Verwaltungsstrukturen zu unterstützen. Und so wurden die Städte und Gemeinden im Ländle gebeten, passende Partnerkommunen für diesen Auftrag zu suchen.
Eppelheim hatte zu Wilthen Kontakt aufgenommen. Auch die dortige Stadtverordneten-Versammlung, vergleichbar mit dem Gemeinderat, freute sich über die deutsch-deutsche Annäherung bereits in einer Zeit, als die DDR noch existierte. Und so wurde diese erste Einladung auf ein bedeutsames Datum gelegt: An diesem Wochenende trat nämlich die Wirtschafts- und Währungsunion in Kraft.
Die Stimmung war den Erzählungen der Zeitzeugen zufolge gleich sehr herzlich, die Sympathie auf beiden Seiten schnell erkennbar. Schon zwei Monate später kam eine Wilthener Abordnung zum Gegenbesuch nach Eppelheim.
Am Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober 1990, traf dann der gesamte Eppelheimer Gemeinderat in Wilthen ein, um die offizielle Wiedervereinigung Deutschlands mit einer Feierstunde im Ratssaal des Rathauses zu begehen.
Der Gedanke einer Partnerschaft zwischen den beiden Kommunen reifte weiter. Adolf Kolb, der pensionierte Hauptamtsleiter im Eppelheimer Rathaus, kam im Rahmen vom so genannten Expertenservice am 21. Oktober 1990 erstmals nach Wilthen, um beim Aufbau einer neuen Kommunalverwaltung zu helfen. Initiiert wurde die Aktion vom baden-württembergischen Städte- und Gemeindetag. Bis 1993 war Adolf Kolb immer wieder vor Ort.
Die logische Folge dieser intensiven Beziehungen war schließlich die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde am 16. Juli 1991, die nur noch Formsache war. Längst waren auch auf privater Ebene Freundschaften entstanden.

Unterzeichnung Partnerschaftsvertrag Wilthen-Eppelhem am 16.7.1991 Foto: Stadt Wilthen

In den kommenden Jahren wurden die Kontakte nicht nur aufseiten der Verwaltung und der Gemeinderäte immer enger. Auch die Freiwilligen Feuerwehren der beiden Kommunen, Vereine, viele Bürgerinnen und Bürger pflegten sehr gute Beziehungen. Gegenseitige Besuche – unter anderem zu offiziellen Festen wie der Kerwe – vertieften die Bande.
Nachdem es schließlich eine Zeitlang sehr ruhig wurde um die offizielle Städtepartnerschaft, brachte die 2017 neu gewählte Bürgermeisterin Patricia Rebmann frischen Schwung in die Beziehung. Im November 2019 kam nach langer Zeit wieder einmal ein ganzer Bus Eppelheimerinnen und Eppelheimer nach Wilthen. Das ereignisreiche Wochenende sollte der Auftakt für weitere Besuche in naher Zukunft sein.

Impressionen einer gelebten Städtepartnerschaft

  • Bürger vor der Wilthener Weinbrennerei Foto: Stadt Eppelheim 
  • Foto: Stadt Wilthen
  • Foto: Stadt Wilthen
  • Foto: Stadt Wilthen

Doch Corona machte diesem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Nicht nur die 1250- Jahr-Feier Eppelheims im vergangenen Jahr musste verschoben werden, auch die Feierlichkeiten zur 30-jährigen Partnerschaft zwischen Eppelheim und Wilthen fielen der Pandemie zum Opfer. Doch mittlerweile ist die Beziehung der beiden Städte glücklicherweise wieder so stabil, dass dieser Umstand zwar bedauerlich ist, aber der guten Qualität keinen Abbruch tut. Die Hoffnung auf ein Wiedersehen liegt nun auf der 800-Jahr-Feier von Wilthen im kommenden Jahr.

Sonderedition des Wilthener Weinbrands

Ein schönes Symbol für die Partnerschaft ist das Schmucketikett, das den Weinbrand aus dem Wilthener Paradies ziert. Aus Anlass des Partnerschaftsjubiläums hat die Wilthener Weinbrennerei eine Sonderedition aufgelegt. Wer sich ein Exemplar sichern möchte, kann das mit dem untenstehenden Bestellschein tun.

Im Festzelt sprang der Funke über

Es sind ja die Menschen, die eine Städtepartnerschaft mit Leben füllen. Besonders ernst nahmen diesen Auftrag vor 22 Jahren Michael Tetzloff und seine Anja, die damals noch Förster hieß. Was sich im Jahr 1999 zugetragen hat: Der Eppelheimer Feuerwehrmann war mit einigen seiner Kameraden zu Besuch beim Stadtfest in Wilthen. Die Floriansjünger der beiden Kommunen pflegen enge Kontakte. Bei einem geselligen Abend im Festzelt trafen sich die Blicke von Michael und Anja. Sie tanzten, stellten fest, dass sie Sympathien füreinander hegten – und auch noch ein bisschen mehr.

Nicht nur bei dem Feuerwehrmann hatte es ordentlich gefunkt! „Ja, es war Liebe auf den ersten Blick“, verrät er. Bereits 14 Tage später saß er wieder im Auto Richtung Osten, erzählt Michael Tetzloff. Die rund 600 Kilometer Entfernung zwischen der Kurpfalz und der Oberlausitz mögen zwar eine größere Strecke sein, aber längst kein Hindernis, das sich den beiden Frischverliebten auf dem Weg in eine gemeinsame Zukunft stellte. „Von da an sind wir mehr als ein Jahr gependelt.“
Im Lauf der Zeit reifte das zarte Pflänzchen der ersten Verliebtheit zu einer tragfähigen Beziehung heran. Michael und Anja hatten beschlossen, fortan ihr Leben gemeinsam zu verbringen. Wohnsitz der zukünftigen Familie – das stand schnell fest – sollte Wilthen sein. Doch vorher suchte der Eppelheimer noch eine Arbeitsstelle.
Im Jahr 2000 war es dann endlich soweit. „Ich hatte einen Job bei einer Firma für Kühlanlagen bekommen. Allerdings war ich jetzt viel unterwegs auf Montage – und das vor allem wieder in der Region um Eppelheim“, erzählt er. Einem Umzug stand dennoch nichts mehr im Weg. „Ich habe den Schritt nie bereut“, sagt er.

2002 läuteten dann die Hochzeitsglocken für ihn und seine Frau Anja. Seit 2009 arbeitet er als Schulhausmeister im Wilthener Immanuel-Kant-Gymnasium. Der Feuerwehr – jetzt natürlich in seiner neuen Heimat – ist er treu geblieben. Und dank der weniger reiseintensiven Tätigkeit kann er auch das Familienleben mit seiner Anja und den gemeinsamen Kindern Arian (9 Jahre) und Lina (7) genießen. Die beiden sind ein ebenso schönes wie außergewöhnliches Ergebnis der Städtepartnerschaft zwischen Eppelheim und Wilthen und haben das Glück der Tetzloffs erst komplett gemacht.

  • Als Frischvermählte grüßen im Jahr 2002 Michael und Anja Tetzloff, geborene Förster. Das Geleit für die Ehe geben die Kameraden von der Feuerwehr Foto: Familie Tetzloff
  • Arian und Lina machen das Familienglück der Tetzloffs komplett. Foto: Familie Tetzloff
  • Ein Familien-Selfie Foto: Familie Tetzloff

Unterstützung beim Verwaltungsaufbau

Der Expertenservice, initiiert vom Land Baden-Württemberg, hat den damaligen und heutigen Amtsleiter Reinhard Röckle (Ordnung, Bildung und Bürgerservice) und Kämmerer Hubert Büssecker – damals noch stellvertretender Leiter des Amtes – nach Wilthen geführt. Gemeinsam mit Bürgermeister Hugo Giese und Ortsbaumeister Harald Skarupa – beide sind mittlerweile verstorben – waren sie einige Tage in der dortigen Verwaltung, um die Eckpfeiler der baden-württembergischen Verwaltung, die ja weitgehend in Sachsen übernommen werden sollte, zu vermitteln. „Insbesondere Beamte im Ruhestand wurde gesucht. Bei uns war das unser ehemaliger Hauptamtsleiter Adolf Kolb, der sich sehr engagiert hat. Er hat eine riesige Aufbauarbeit geleistet und dafür auch Auszeichnungen von Wilthen bekommen“, sagt Reinhard Röckle, der mit Manfred Melior gearbeitet hat.

Die Zeit vor 30 Jahren sei für ihn als junger Amtsleiter ein tolle Erfahrung gewesen. „Da konnte ich bei der Aufbauarbeit mitwirken. Es war eine Herausforderung, hat aber großen Spaß gemacht. Und es war eine schöne Gelegenheit, Mentalität, Land und Leute kennenzulernen.“
Besonders in Erinnerung sind ihm die Mittagspausen geblieben. „Für mich war das ungewohnt. Alle Mitarbeiter vom Rathaus haben zusammengesessen. Von der Kindertagesstätte nebenan kam das Essen. Alles in allem war es eine tolle Erfahrung.“
Hubert Büssecker erzählt, dass man die Vordrucke, die das Land Baden-Württemberg zur Verfügung gestellt hatte, mitgenommen und erläutert habe. „Aber die Kämmerei ist ein umfangreiches Themengebiet. Ich habe versucht, meiner Wilthener Kollegin Silvia Hänsch die wesentlichen Grundlagen in den Tagen, in denen ich vor Ort war, zu erläutern. Aber auch danach konnte sie mich anrufen, wenn sie Fragen hatte. Für die Kollegen dort war das ja alles komplett neu.“ Auch er fand es eine spannende Zeit mit vielen Eindrücken.

Die Zeit verging wie im Fluge

Manfred Melior war zum Zeitpunkt, als die Partnerschaft besiegelt wurde, stellvertretender Bürgermeister in Wilthen und leitete kommissarisch die Amtsgeschäfte. Danach war er als Hauptamtsleiter in der Verwaltung eingesetzt. Anschließend arbeitete er bis zu seiner Pensionierung Ende März 2019 Jahre im Hoch- und Tiefbau der Stadtverwaltung. Er erinnert sich an die ersten Kontakte zwischen den beiden Kommunen. „Am Wochenende, als die Wirtschaft- und Währungsunion in Kraft trat, waren Vertreter aus Eppelheim erstmals bei uns zu Gast.“
Die Eppelheimer Verwaltung und der Gemeinderat seien, so habe man im Vorfeld schon erfahren, auf der Suche nach einer Stadt für eine deutsch-deutsche Partnerschaft. Beim einem gemeinsamen Essen am Abend habe man zusammengesessen und auf beiden Seiten schnell gemerkt, dass die Sympathie füreinander vorhanden ist. Die ersten Begegnungen wurden vertieft. „Im August hat eine Wilthener Delegation mit Mitgliedern der Stadtverordneten-Versammlung, wie der Gemeinderat bei uns hieß, Eppelheim besucht.“
Und am 3. Oktober 1990, dem Tag, als die Deutsche Einheit Wirklichkeit wurde, fand um 15 Uhr eine Feierstunde im Wilthener Rathaus statt, „schön musikalisch umrahmt und mit Gästen aus Eppelheim. Nur drei Wochen später durfte ich dann auch schon Adolf Kolb in Empfang nehmen. Er hat uns beim Verwaltungsaufbau tatkräftig unterstützt und mit großem Engagement geholfen. Ich habe pure Freude, Neugierde und Dankbarkeit dafür empfunden, was uns vermittelt wurde.“

Die Besiegelung der Partnerschaft am 16. Juli 1991 habe der Sache dann noch den offiziellen Charakter verliehen. Die Urkunde, erinnert sich Melior schmunzelnd, habe sein Schwager „gezaubert“, der sich kurze Zeit zuvor mit einer Werbeagentur selbstständig gemacht hat.
Eine größere Gruppe aus der Oberlausitz habe sich dann im gleichen Jahr auf die Reise in die Kurpfalz gemacht. Anlass war die Einladung zur Kerwe. „Da standen 40 Zelte auf der Straße. Für uns war das anfangs befremdlich, dass man eine Gemeinde so tot legen kann. Wir kannten das nicht und haben es zuerst als übertrieben empfunden“, meint er. „Aber wir haben auch schnell verstanden, dass das gesellschaftliche Leben einer Stadt auf den Schultern der Vereine liegt. Wir haben dann auch viele Stände besucht.“ Unter anderem habe man auch Siegfried Zentsch kennengelernt, der damals ein Catering-Unternehmen hatte. „Er stammt ursprünglich aus unserer Region, ist also auch ein Oberländer.“

Manfred Melior bedauert, dass die Partnerschaft zwischen Wilthen und Eppelheim eine Weile auf Eis lag. Und Corona habe weitere Besuche nach einem vielversprechenden Neubeginn verhindert. „Aber auf privater Ebene sind die Kontakte nie ganz abgebrochen. Viele Wilthener, die die Anfänge dieser Freundschaft erlebt haben, pflegen noch immer die alten Beziehungen. Die Eppelheimer sind bei uns immer willkommen und gern gesehene Gäste.“
Die Zeit seit 1991, findet er abschließend, sei wie im Fluge vergangen.

Bilder vom ersten Besuch Patricia Rebmanns im Jahr 2018 in Wilthen nach ihrem Amtsantritt: Sie belebte gemeinsam mit dem Wilthener Bürgermeister Michael Herfort die Städtepartnerschaft neu

  • Foto: Stadt Wilthen
  • Foto: Stadt Wilthen
  • Foto: Stadt Wilthen
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