Latein

Sapere aude!

Horaz hat mit diesen Worten vor über 2000 Jahren seine Mitmenschen aufgefordert, nicht müßig zu sein und sich zu bilden. Man wird diesem Aufruf seine Bedeutung kaum absprechen können. Doch kann die lateinische Sprache in heutiger Zeit noch sinnvoller Gegenstand eigener Bildungsbemühung sein? Ist es nicht vergeudete Zeit, in eingestürzten Ruinen zu graben?

Als im 18. Jahrhundert in Europa die Zeichen auf Veränderung standen, wählte Immanuel Kant eben diese Worte, um die Aufgabe des neuen Menschen zu formulieren. Wissen und Erkenntnis sollten als leuchtende Fixsterne dem unmündigen Menschen den Weg aus der Dunkelheit weisen. Der Gebrauch lateinischer Worte im 18. Jahrhundert ist nun alles andere als ungewöhnlich, insbesondere für einen Philosophen. Dieser Rückgriff symbolisiert aber auch einerseits, dass Moderne und Altertum sich nicht ausschließen, und andererseits, dass die (römische) Antike fester Bestandteil der europäischen Geistesgeschichte ist.

In diesem Sinne können die oben formulierten Fragen folgendermaßen beantwortet werden:

Die lateinische Sprache hat ihren Eigenwert, und nicht wenige behaupten, dass sie – wie kaum eine andere Sprache – Eleganz und Schönheit bei faszinierender Verdichtung des Gedankens entfaltet.

Wer in den eingestürzten Ruinen gräbt, wird manch verborgenen Schatz finden.

Die lateinische Sprache ist Teil unserer europäischen Kulturgeschichte. Keine andere Sprache prägte Europa so nachhaltig wie die lateinische Sprache. Keine europäische Sprache kann eine Kontinuität von mehr als 2000 Jahren in Hinblick auf Gebrauch und Lehre aufweisen.

Wer in den eingestürzten Ruinen gräbt, wird seine eigenen Wurzeln finden.

Die lateinische Sprache ist der Schlüssel zum Verständnis von Texten, in deren Mittelpunkt der Mensch mit seinem Denken, Handeln und Fühlen steht. Die römische Literatur bietet Helden und Antihelden, in glücklicher Liebe vereinte und von der Liebe enttäuschte Seelen, Fromme und Frevler, Sieger und Verlierer, mit Vernunft und Unvernunft Handelnde, kurz: sie bietet exemplarisch den Menschen in all seinen Lebenslagen und zwingt so zum Nachdenken über literarische Gestalten und über sich selbst.

Wer in den eingestürzten Ruinen gräbt, wird (vielleicht) sich selbst wiederfinden.

Die Vermittlung der lateinischen Sprache ist der Schlüssel zum Verständnis der Strukturen anderer Sprachen. Die tägliche Übersetzungsarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Reflexion der eigenen Sprache.

Wer in den eingestürzten Ruinen gräbt, wird auch seine eigene Muttersprache entdecken.

Und so bleibt bei allem Wandel der Aufruf von Horaz und Kant in Stein gemeißelt:

SAPERE AUDE! (WAGE ZU WISSEN!)


Weitere Informationen zum Fach Latein am DBG

Latein wird am DBG ab Klasse 6 unterrichtet.
Bis zur 9. Klasse arbeiten wir mit dem Lehrwerk Cursus I-III, im Laufe der 9. Klasse beginnt der Lektüreunterricht, in dem die SchülerInnen die großen Werke Caesars, Ciceros und Ovids kennenlernen. Mit Bestehen der 10. Klasse haben die SchülerInnen automatisch das Latinum und können nach Wunsch Latein in der Kursstufe fortführen.
Wir unternehmen regelmäßig in Klasse 7 eine zweitägige Exkursion zur Römerstadt Augusta Raurica (bei Basel), in Klasse 9 eine zweitägige Exkursion nach Trier sowie Ausflüge in Museen der Region.

Latein zu lernen lohnt sich:

  • Leichteres Erlernen anderer romanischer Sprachen (z.B. Spanisch am DBG)
  • 60 % aller englischen Wörter stammen aus dem Lateinischen
  • Grammatikkenntnisse helfen für Deutschunterricht
  • Latein schult das logische Denken
  • Latinum Voraussetzung für diverse Studienfächer
  • Erwerb einer humanistischen Allgemeinbildung